Stadt Zell sorgt für Nachschub bei den »edlen Tropfen«

Eigenes Brennrecht

Über 100 Jahre alt ist der Kessel, in dem die Stadt Zell zwecks Erhalt ihres Brennrechts am 2. September das »Storchenturmtröpfle« brennen wird. Und zwar im Rahmen des Städtlemarktes, der vor zehn Jahren mit Erfolg neu konzipiert wurde.


Vor einem guten Vierteljahrhundert übertrug die Zeller Keramikfabrik ihr Brennrecht auf die Stadt. Die ist im Ortenaukreis somit eine von über 6000 Inhabern eines Rechts, das verkauft und gehandelt werden darf – und das es in dieser Form bald nicht mehr geben wird.

Der Grund: Das Branntweinmonopol, das Kaiser Wilhelm im frühen 20. Jahrhundert dereinst mit seiner Unterschrift in Kraft gesetzt hatte, gehört ab Jahresende der Geschichte an. In eine sogenannte staatliche Brennerlaubnis werden dann die Brennrechte für alle bis dahin noch zugelassenen Abfindungsbrennereien übergehen: Das sind Brennereien, deren Produktionsmenge im Unterschied zu den zollamtlich verschlossenen Verschlussbrennereien nicht mit Mess­instrumenten erfasst, sondern im Voraus anhand amtlicher Sätze errechnet wird. Bis 300 Liter reinen Alkohols dürfen es jährlich sein.

Bloß einen Bruchteil davon produziert die Stadt Zell allerdings. Und das auch nur in großen Jahresabständen – spätestens einmal alle zehn Jahre, um das Brennrecht nicht zu verlieren. So zumindest sieht es die Gesetzeslage vor.

Dass dies wahrscheinlich auch in Zukunft weiterhin so gehandhabt wird, meint Klaus Lindemann, Geschäftsführer des Kleinbrennerverbandes Baden-Württemberg, auch wenn »die Durchführungsbestimmungen derzeit noch nicht raus sind.«

So oder so: Dem Wunsch von Zells Bürgermeister Günter Pfundstein nach einem diesjährigen Brennfest stehen die zukünftigen Umstände nicht im Wege. Und so wird am ersten September-Samstag auf dem Kanzleiplatz gefeiert, wenn in der alten Brennerei im Bildsteinhaus der historische Brennkessel befeuert wird.
Dann kann man zuschauen, wie Franz Roth in dem 53-Liter-Gefäß Feinbrand herstellt. Und zwar aus Rohbränden, die der 66-Jährige am Tag zuvor in fünf Durchgängen aus 200 Liter Vorjahres-Most gewonnen haben wird. Mit dem Procedere kennt sich der pensionierte Stadtangestellte und ehemalige Nebenerwerbslandwirt bestens aus, brennt er doch seit Jahren selbst.

Neues Konzept

Die Idee, das Fest im Rahmen des Städtlemarktes durchzuführen, hatte Maria Hättich, Leiterin des Stadtmarketings. Als sie mit der Organisation anfing, wurde ihr bewusst, dass der Markt in seiner heutigen Form seit nunmehr zehn Jahren existiert. Sein Konzept war von einem ehrenamtlichen Arbeitskreis erstellt worden, um ausgebliebene Marktanbieter wieder nach Zell zu holen. Mit eigens angefertigten Marktständen, welche die Stadt gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung stellt.

»Einmal im Monat haben wir außerdem Musik, seitdem läuft das«, freut sich die Marketingfrau über mehr als 20 Marktbeschicker.

Zum kleinen Jubiläum wird das Markttreiben rund um das Brennfest von Unterhaltungsprogramm und Bewirtung begleitet. Das Fest wird am Samstag, 2. September, um 11 Uhr durch ein Grußwort des Bürgermeisters eröffnet und gegen 14 Uhr enden.

Autor: Inka Kleinke-Bialy