Bauzeit der L-94-Sanierung verkürzt sich um ein Jahr

Vollsperrung beschleunigt Arbeiten in Unterharmersbach

Die Sanierung der L 94 durch Unterharmersbach laufen seit Juli zügig. Das für 2020 avisierte Ende der Bauarbeiten könnte nun sogar rund ein Jahr früher als geplant erfolgen, wie im Rahmen einer Bürgerversammlung bekannt wurde. Möglich wird dies allerdings nur durch eine Vollsperrung in der Ortsmitte für drei bis vier Monate. Dafür gibt es eine innerörtliche Umfahrung.


Das bereits 2015 besprochene und festgelegte »Drehbuch« für die Sanierung der Ortsdurchfahrt Unterharmersbach wird ab dem nächsten Jahr neu geschrieben. Wie Zells Bürgermeister Günter Pfundstein im Rahmen einer Bürgerversammlung am Dienstagabend in der Schwarzwaldhalle bekanntgab, kann der Plan, ab Höhe Rathaus bis kurz vor »Schwarzer Adler« talaufwärts, die Bauarbeiten bei halbseitiger Befahrbarkeit der  L 94 auszuführen, nicht verwirklicht werden. »Durch zwei Engstellen auf dem Streckenabschnitt kann es zu Schwierigkeiten kommen«, erklärte Pfundstein vor rund 400 Besuchern.


Eine Begehung mit dem beauftragten Bauunternehmen Reif, dem Planungsbüro Wald & Corbe im Juli hatte diese Schwachstellen aufgedeckt. »Eine detaillierte Ablaufplanung hängt sehr stark von den technischen und personellen Möglichkeiten der beauftragten Firmen ab. Bis Juni 2017 war uns die Baufirma noch nicht bekannt«, begründete Pfundstein die Tatsache, dass zunächst anders geplant wurde.


Neubewertung der Lage


Die Stadt Zell als Bauherrin, das Planungsbüro und die Baufirma nahmen eine Neubewertung der Sachlage vor:  Da die Arbeiten auf dem rund 320 Meter langen Teilabschnitt also nicht bei halbseitiger Befahrbarkeit ausgeführt werden können, entschlossen sich die Verantwortlichen, in diesem Bereich unter Vollsperrung von Mai bis August 2018 zu arbeiten.
 
Gleichzeitig beschloss der Gemeinderat der Stadt Zell einstimmig, für diese rund vier Monate eine innerörtliche Umfahrung einzurichten.


Die Umleitungsstrecke führt für die Dauer der Vollsperrung über die Sportstättenstraße, beginnt gegenüber der Einmündung Mühlweg zwischen den Gasthäusern  »Rössle« und »Schützen« und stößt in Höhe Kilwiplatz wieder auf die Hauptstraße. 
Die Änderung der Pläne mag für manche ein Anlass für Befürchungen sein (siehe Kasten »Fragen und Antworten«).


Die neue Ablaufplanung  hat aber auch unterm Strich einen gewaltigen Vorteil: Da die Baufirma bei einer Vollsperrung mit zwei Kolonnen gleichzeitig und schneller arbeiten kann, verkürzt dies die Gesamtdauer der Straßenbauarbeiten um rund ein Jahr.  »Die gesamten Sanierungsarbeiten könnten dadurch also schon 2019 beendet sein«, betonte Günter Pfundstein.


Von Januar bis zum Mai 2018 sind laut Bauzeitenplan die Arbeiten von der Rösslebrücke bis Höhe Ortsverwaltung fortgeschritten. Nach der Vollsperrung erfolgen dann von September 2018 bis April 2019 die Sanierungsarbeiten halbseitig bis »Schwarzer Adler«. Dann werden rund 1,2 Kilometer der insgesamt rund zwei Kilometer saniert, Leitungen im Untergrund neu verlegt sein.


Brücke als letzter Akt


Der letzte Akt der Mega-Baustelle wird neben einigen Restarbeiten ab Frühjahr 2019 die Sanierung der Rössle­brücke selbst sein. Bauherr ist hier das Land. Während der Sanierung gibt es eine Umfahr­ung mit Behelfsbrücke über den Kurpark (wir berichteten). Im Herbst 2019 soll laut Daniel Guldenschuh vom Regierungspräsidium auch dieser letzte große »Mosaikstein« der Sanierung fertiggestellt sein.


Zells Bürgermeister berichtete, dass für die Sanierung der L 94 durch Unterharmersbach ungezählte Grundstücksverhandlungen geführt wurden. »Fast ausnahmslos waren die Eigentümer zur Mithilfe bereit, nehmen Einschränkungen auf sich, verkaufen oder treffen mit der Stadt Vereinbarungen.« Das sei nun auch bei der geplanten innerörtlichen Umfahrung der Fall.


Pfundstein berichtete, dass bei der Einfahrt in die Umfahrung sogar Gebäude abgerissen und später durch die Stadt wieder aufgebaut werden, um die Straße zu verbreitern. »Seien Sie froh, dass die Stadt Bauherrin für die Straße ist«, rief Pfundstein aus und nannte Beispiele im Ortenaukreis, bei denen es bei Straßensanierungen des Landes Vollsperrungen gab. Ohne Wenn und Aber.


In der »kleinen Umfahrung« der Ortsmitte sieht Zells Bürgermeister indes auch Vorteile: Der Verkehr wird wegen des engen Kurvenradius durch zwei Ampelanlagen teils einspurig geregelt. Das sorge für Entspannung beim Durchfluss. Und es gab noch gute Nachrichten von der Baustelle: So wird die sanierte Kaffeebrücke bis Weihnachten so weit fertig sein, dass zumindest Fußgänger sie begehen können. 
 
L-94-Sanierung: Fragen und Antworten

Kriegen auch die überlangen Fahrzeuge die Kurve?

Nach der Vorstellung des geänderten Ablauf-Planung für die L 94-Bauarbeiten ergaben sich Fragen aus dem Publikum, die Bürgermeister Günter Pfundstein und die Fachleute beantworteten. Eine Auswahl:

Können Fahrzeuge aller Art die innerörtliche Umfahrung benutzen? Auch überlange Langholzer?
»Nach jetzigem Stand können wir garantieren, dass Fahrzeuge aller Art bis zu einer Gesamtlänge von 21 Metern die Baustelle und die Umleitungsstrecken passieren können«, sagt Günter Pfundstein. Für Fahrzeuge mit Überlänge, besonders Langholzer (Foto), wird versucht, die Umleitungsstrecken zu ertüchtigen, »garantieren können wir das Stand heute nicht« (Pfundstein). Für diese Fahrzeuge steht aber auch die Löcherbergstrecke zur Verfügung, die auch heute schon genutzt wird. Pfundstein: »Die Tieferlegung der dortigen Eisenbahnunterführung liegt nicht in unserer Hand, sollte aber unbedingt realisiert werden«.

Wird die Sportstättenstraße als Umfahrungsroute stärker befahren als bisher?
Dieser Weg würden auch bei einer halbseitigen Sperrung der Hauptstraße von vielen als Ausweichsroute benutzt werden, schätzt Günter Pfundstein. Sicher oft zu schnell. Die Ampelanlagen sorgen für Verkehrsberuhigung.
 
Wird auch im Winter an der Baustelle gearbeitet?
In den Wintermonaten wird weiter gearbeitet, soweit es das Wetter zulässt. Nur bei dauerhaft niedrigen Temperaturen ruht die Baustelle.


Kann die Kilwi 2018 stattfinden?
Bürgermeiter Pfundstein geht davon aus, dass die Kilwi stattfinden kann.

Warum wird die Rösslebrücke so spät saniert?
Daniel Guldenschuh vom Regierungspräsidium betont, dass die Gesamtsituation anders ist als bei der Kaffeebrücke. Der Abstand Brücke/Wasser ist geringer. Der Hochwasserschutz macht eine längere Planung und Genehmigungsphase notwendig.

Autor: Dietmar Ruh, Offenburger Tageblatt