Das etwas andere Schwarzwald-Bild

Galerie im Storchenturm ergänzt Zeller Kunstwege


Zell a. H. (dp) Am Samstag eröffnete Daniel Lehmann vom "Förderverein Zeller Kunstwege" im Foyer des Storchenturm-Museums die Ausstellung "Heimat 2.2." mit Werken von 12 Künstlern der Region Schwarzwald. Anders als die touristische Werbung suchen die Künstler nicht die Idylle, sondern artikulieren ihre Heimatverbundenheit in einer von der Globalisierung geprägten Welt.


Uwe Baumann von Lahr führte in die Ausstellung mit 32 Werken ein. Er hat das Projekt "Kosmos Schwarzwald" vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Inzwischen haben sich 43 Künstler und Kulturschaffende dieser Initiative angeschlossen. Die Ausstellung im Foyer des Storchenturms zeigt einen Querschnitt der im "Kosmos Schwarzwald" engagierten Künstlern. Es geht darum, die Schwarzwald-Heimat nicht nur in Harmonie, sondern auch mit ihren Spannungen ins Bild zu rücken.

Nicht selten sind die Künstler zwar in der Schwarzwald-Region aufgewachsen, haben aber erst in der Fremde ihre Heimatliebe richtig entdeckt. Andere sind in einer anderen Region aufgewachsen und suchen in der Wahlheimat Schwarzwald neue Wurzeln zu schlagen. Meist steht eine Mischung aus Anziehung und Skepsis als Antriebskraft hinter dem künstlerischen Schaffen.

Gleich am Eingang der Ausstellung provoziert Michaela Kindle mit einer Photo-Collage, die eine vertraute Kapelle mit einem grellen Werbeschild für ein Hotel kombiniert. Die Kolorierung folgt der Pop-Art. Die Künstlerin hat in den USA Fotografie studiert und lebt heute in Lahr. Fotografie und grafische Gestaltung gehen bei ihrer Arbeit eine Verbindung ein. Thematisch treffen sich in dem Bild religiöse Tradition und touristisches Marketing.

Frieder Haser präsentiert großflächig eine Schwarzwälderin mit einem Stier. Er greift damit den alten griechischen Mythos auf, der zum Symbol für Europa geworden ist. Anders als bei der alten Erzählung reitet die Dame nicht auf dem Stier, sondern steht neben ihm. Lässt sich der Schwarzwald von Europa treiben, oder will die heimatliche Region mit bestimmen, wohin die Reise gehen soll? Frieder Haser, geb. im benachbarten Haslach, studierte Kunstgeschichte und Archäologie in Freiburg, danach Gestaltung in Offenbach. Es folgten Aufenthalte in New York und San Francisco. Heimgekehrt betreibt er heute sein Atelier in einer ehemaligen Schnellinger Zündholzfabrik.

Klaus Karlitzky ist gleich mit sieben Karikaturen vertreten. Eine davon zeigt einen Flüchtling oder Zuwanderer, der nach einer Kuckucksuhr greift und sie demonstrativ in die Höhe streckt. Der Zeichner hat seinen Spaß an Wortspielen. In diesem Beispiel geht es ihm um die "Willkommen(s)-Kult-Uhr". Die Kuckucks-Uhr ist für den Schwarzwald Kult. Ob dies auch für das "Willkommen" gegenüber Flüchtlingen gilt, ist nicht ausgemacht. "Jedem Witz liegt eine menschliche Tragödie zugrunde", zitiert der Cartoonist auf seiner Homepage einen Orientalen.

Bei einer Ausstellung über moderne Kunst und Schwarzwald darf Stefan Strumbel nicht fehlen. Nach der Einschätzung von Uwe Baumann hat der Grafiker mit der Pop-Art für den Schwarzwald eine neue Tür aufgestoßen. Der renommierte Künstler stellte für die Ausstellung zwei Leihgaben zur Verfügung; die Siebdrucke "Heimat loves you" und "Delicious Heimat".

Weitere Künstler/innen bereichern die Art-Vielfalt: Beate Axtmann, Uli Dibbern, Gloria Keller, Giancarlo Lepore, Jörg Michael Lienhart, Simon Sylwestrzak, Gerhard Völkle und Sebastian Wehrle. Musikalisch ergänzt wurde die Vernissage von Sanne Liedtke aus Lahr, die mit eigenen Kompositionen für Harfe und Gesang aufwartete. Marielle Ober von Steinach brachte sich mit einigen Songs zur Gitarre ein.

Die Ausstellung ist bis 3. Oktober zu sehen. Das Storchenturm-Museum ist dienstags, freitags und sonntags von 14-17 Uhr geöffnet.

Autor: Hanspeter Schwendemann, Schwarzwälder Post