L94-Umleitung für Fahrzeuge aller Art passierbar

Verhandlungen der Stadt Zell mit Grundstückseigentümern erfolgreich

Auch Langholzfahrzeuge mit Überlänge können die innerörtliche Umleitung während der Vollsperrung der L 94 in Unterharmersbach benutzen: Nach monatelangen Verhandlungen hat die Stadt nun die noch ausstehende Zusage eines Anwohners, einen Teil seines Grundstück zur Verfügung zu stellen. Damit kriegen nun alle Fahrzeuge die Kurve.

»Großes Aufatmen insbesondere bei den Oberharmersbacher Unternehmern«, beginnt die am Freitag verschickte Pressemitteilung der Stadt Zell. Bei der Ende April/Anfang Mai startenden zweiten Vollsperrung der L 94 im Bereich Rössle/Schützen bis obere Ausfahrt Sportplatz können nun auch Langholzfahrzeuge mit Überlänge bis zu 27 Metern im Normalfall die innerörtliche Umleitung passieren. 

Monatelang verhandelt

»Die nun  gefundene Lösung  ist das Ergebnis monatelanger und teilweise schwieriger Planungen und Verhandlungen der Stadt Zell als zuständigem Bauherr der Maßnahme mit verschiedenen Grundstücks- und Hausbesitzern im Bereich der Umfahrungsstrecke«, schreibt die Stadt. Erst jetzt Mitte dieser Woche sei nun die letzte noch fehlende Zusage gekommen.
Bürgermeister Günter Pfundstein und Ortsvorsteher Hans-Peter Wagner: »Nun steht fest, dass im gesamten Sanierungszeitraum Fahrzeuge aller Art – auch mit Überlänge – Unterharmersbach trotz Vollsperrung ohne Umwege passieren können. 
Dies war von Anfang an unsere feste Absicht. Das war für uns allerdings mit einem enorm hohen Einsatz an Zeit und Planung bis zur Verwirklichung verbunden« . 
Pfundstein und Wagner weiter: »Die teilweise heftigen Widerstände einiger Unternehmer mit der gleichzeitigen Forderung einer Umfahrungslösung, die so von Anfang an niemals realistisch und damit auch nicht realisierbar war, haben die Verhandlungen deutlich erschwert. Hätte es diese Gegenbewegung nicht gegeben, wäre die nun vorliegende Lösung deutlich schneller möglich gewesen. Wir hatten zu keiner Zeit den Eindruck, dass diese Unternehmen auch nur im Ansatz zu innerbetrieblichen Maßnahmen bereit waren, um sich auf die angekündigten Behinderungen während der Sanierung der Landesstraße einzustellen.«

Weith erleichtert

Auch Bürgermeister Richard Weith aus Oberharmersbach zeigte sich angesichts der nun gefundenen Lösung erleichtert. Er stand in den vergangenen Wochen in ständigem Kontakt zum Kollegen Pfundstein und wurde von ihm stets über den aktuellen Sachstand informiert. 
Die Pressemitteilung zitiert den Oberharmersbacher Rathauschef mit den Worten: »Es freut mich für die Oberharmersbacher Unternehmen, die nun von dieser Lösung profitieren!« Er hätte sich allerdings gewünscht, dass Oberharmersbach in der Vergangenheit in dieser Angelegenheit mehr mit Zell kooperiert hätte, anstatt gegen die Maßnahmen vorzugehen. »Dieser Fall zeigt, dass man beim Bohren dicker Bretter gemeinsam mehr erreichen kann, als mit Konfrontation«, so Weith.

Auch auf der ab Oktober geplanten Kurgartenumfahrung wegen des Neubaus der Rösslebrücke können auf der neu angelegten Ersatzfahrbahn durch den Kurpark mit zweispuriger Ersatzbrücke über den Harmersbach Langholzfahrzeuge aller Art passieren. 
Zells Bürgermeister  Günter Pfundstein: »Der Dank gilt vor allem den Unterharmersbacher Grundstücksbesitzern, die ihre Grundstücke für die Umfahrungsstrecken zur Verfügung stellten und sie damit erst ermöglichten.« 
Und Ortsvorsteher Hans-Peter Wagner ergänzt: »In gleicher Weise danken wir den Anwohnern an den Umfahrungsstrecken für ihr Verständnis und die Bereitschaft, über Monate zusätzliche Belastungen auf sich zu nehmen.«

Abfräsung vom Tisch

Auch das Land Baden-Württemberg ist über die nun gefundene Lösung erfreut. Notpläne des Regierungspräsidiums, mit der Erweiterung des Durchlasses der Eisenbahnbrücke Oppenau den Langholzern eine bessere Umfahrungsstrecke zu ermöglichen, können nun wieder in der Schublade verschwinden. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer hatte schon bei ihrem Gemeindebesuch in Zell am 28. März betont, dass das Land bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen an Landesstraßen die Bauherrenschaft normalerweise übernimmt. Dass die Stadt Zell aber bei der derzeit größten innerörtlichen Baumaßnahme in Baden-Württemberg diese riesige und mit großem Aufwand verbundene Aufgabe übernommen habe, sei absolut vorbildlich und mache Sinn, »da die Entscheidungsträger vor Ort die Menschen und die örtlichen Verhältnisse und die Menschen kennen. Somit können bei schwierigen Planungen und Verhandlungen Ergebnisse erzielt werden, die das Land schon wegen der räumlichen Entfernung nie hätte erreichen können.«

Dies zeigt sich bei vielen Straßensanierungen in unmittelbarer Nachbarschaft, wo die Landesstraßen wie beispielsweise zwischen Welschensteinach und Geisberg, Mühlenbach und Heidburg (Gemeinde Elzach) oder auch in Bad-Peterstal erneuert wurden und werden. 
Diese und weitere Strecken werden über einen längeren Zeitraum unter Vollsperrung und weiträumiger Umfahrung saniert. Nach einschlägigen Gerichtsurteilen sind Umfahrungen bis zu 60 Kilometern bei Straßenbaumaßnahmen und Vollsperrungen absolut vertretbar und damit auch rechtlich zulässig, so die Stadt.

Autor: Dietmar Ruh, Offenburger Tageblatt

(created on 16. April 2018)