Straßensanierung verbessert auch die Wasserversorgung

Günter Pfundstein

Die Talgemeinden investieren momentan kräftig in die Infrastruktur. Nicht nur zahlreiche Bauprojekte werden angegangen. Im letzten Jahr wurde auch die »Breitband Ortenau« gegründet, um die Netzanbindung zu verbessern. Wie ist der Stand der Dinge in den unterschiedlichen Bereichen und welche Ziele sollen in Sachen Infrastruktur 2018 erreicht werden?


Neben vielen kleineren Infrastrukturmaßnahmen sticht natürlich die Sanierung der Landesstraße 94 besonders hervor. Die gesamte Infrastruktur im Bereich der Ortsdurchfahrt Unterharmersbach wird in diesem Zuge erneuert. Nach Abschluss der Maßnahme wird die Versorgungssicherheit für eines der wichtigsten Lebensmittel, das wir haben – nämlich Wasser – für uns alle verbessert. Zukünftig kann mehr eigenes Quellwasser genutzt werden. Bei Wasserknappheit wird das Wasser der Kleinen Kinzig auch im Ortsteil Unterharmersbach den Bedarf decken können, was bisher technisch nicht möglich war.

Ende 2018 soll die Straßenbaumaßnahme bis auf die Rössle-Brücke und den noch fehlenden Straßenabschnitt von der Brücke bis zur Ochsenmühle soweit abgeschlossen sein. Ein Dank richte ich an dieser Stelle erneut an alle Anwohner, die dieses Jahrhundertprojekt aktiv unterstützen sowie an die Fa. Reif, die bisher wirklich hervorragende Arbeit geleistet hat und absolut zuverlässig ist. Sofern das Wetter mitspielt und uns im Untergrund keine Überraschungen erwarten, kann der ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden.

Mit dem Beitritt zur Breitband Ortenau GmbH wurde vom Gemeinderat in 2017 eine weitsichtige Entscheidung getroffen. Durch die Investitionen der Telekom zu Beginn des letzten Jahres mit dem sogenannten Vectoring-Ausbau mittels Kupferkabel, sind die Grundlagen für das schnelle Internet gelegt worden. Mit einer nun folgenden Ortsnetzplanung zum strategischen Ausbau mit Glasfaserkabel wird die Breitband Ortenau GmbH als unser Dienstleister die Voraussetzungen für einen zukunftsfähigen Datentransport schaffen. Selbstverständlich haben wir überall dort, wo die Straßen und Wege geöffnet waren, schon weitsichtig Leerrohre für einen späteren Glasfaserausbau mitverlegt.

Stichwort Fiprinol und Glyphosat, dazu der Wolf und das Bauernsterben –in der Landwirtschaft gab es im letzten Jahr eine Menge Aufreger und Skandale. Dieses Jahr kippte auch noch das Branntweinmonopol. Wie beeinflusst das die Stimmung?

Diese Frage sollten am besten direkt unsere Haupt- und Nebenerwerbslandwirte beantworten. Durch immer neue Gesetze und Verordnungen – gerade im landwirtschaftlichen Sektor – wird die Arbeit in Zukunft nicht einfacher. Fast jedes Nutztier ist in Brüssel registriert. Die Datenbank funktioniert wahrscheinlich besser als jede Meldedatei bei Wanderungsbewegungen der Menschheit. Es wäre nach meiner Auffassung an der Zeit, manche Überregulierung zu korrigieren. Bei den rund 100 landwirtschaftlichen Betrieben, die wir haben, werden bis auf wenige Ausnahmen die meisten im Nebenerwerb bewirtschaftet. Ich möchte mich an dieser Stelle für deren wertvolle Arbeit herzlich bedanken. Sie leisten für unsere Landschaft und den Wald einen sehr wichtigen Beitrag. Mit unserem Offenhaltungskonzept sowie dem Weidezaunprojekt unterstützen wir beispielsweise die Landwirtschaft im Rahmen unserer Möglichkeiten. Alle können bei der Bewältigung der Aufgaben mithelfen, in dem wir sorgsam mit unserer Natur umgehen und zum Beispiel keinen Müll hinterlassen.

Seit der Bundestagswahl sind nahezu vier Monate vergangen und wir haben immer noch keine neue Regierung. Welchen Ratschlag würden Sie den Verhandlern bei dem neuen Versuch der Regierungsbildung am liebsten mit auf den Weg geben?

Den Verhandlern wünsche ich weniger Regulierungswillen, dafür aber ganz viel gesunden Menschenverstand. Außerdem mehr Mut und Risikobe­reitschaft, bestimmte Dinge zu verändern. Je mehr mitverhandeln und mitdiskutieren, desto kleiner sind die Schritte in die richtige Richtung.
Zwei Punkte sollten nach meiner Auffassung verändert werden: Der Deutsche Bundestag ist mit 709 Abgeordneten viel zu groß. Nur der chinesische Volkskongress ist weltweit noch größer. Die Wahlperiode sollte um ein Jahr auf fünf Jahre verlängert werden. Bis die neue Regierung steht, ist allein in dieser Wahlperiode schon ein halbes Jahr »verloren«. Mindestens ebenso lange wird vor einer Bundestagswahl erfahrungsgemäß die inhaltliche Arbeit eingestellt. Vieles spricht also dafür, ähnlich wie im Landtag von Baden-Württemberg, die Regierungszeit um ein Jahr zu verlängern.

2017 war lokal wie international ein ereignisreiches Jahr. Was hat Sie besonders bewegt?

Besonders bewegt haben mich die nach wie vor anhaltenden Terroranschläge weltweit. Diejenigen, die so etwas organisieren und durchführen (lassen) sind aus meiner Sicht einfach nur menschenverachtend. Das Muskelspiel einiger Staatsmänner bereitet mir gleichfalls Sorgen. Es bleibt zu hoffen, dass die Vernünftigen am Ende die Oberhand behalten und die Konfliktherde weniger werden. Wie immer geht es um Macht und Geld. Die Leidtragenden sind die vielen Menschen in den betreffenden Ländern, die teilweise nach Schutz und Sicherheit zum Beispiel auch in Deutschland suchen.

Lokal haben mich die vielen anstehenden Herausforderungen bewegt. Jeweils die richtigen Prioritäten zu setzen ist dabei nicht immer einfach. Albert Einstein hat im Hinblick auf Veränderungen einmal gesagt: »Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.«

Seit 1. Januar ist Richard Weith ihr neuer Kollege im Oberharmersbacher Rathaus. Was wünschen Sie ihm?

Meinem neuen Kollegen wünsche ich vor allem Gesundheit und bei seinen
Entscheidungen die nötige Unterstützung und den Rückhalt, um die Gemeinde Oberharmersbach in eine gute Zukunft zu führen. Ebenso wünsche ich Richard Weith immer viel Rückgrat und stets eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Kollegenkreis.

Haben Sie Vorsätze fürs neue Jahr gefasst?

Und wie sieht’s mit denen aus dem vergangenen Jahr aus?

Alle guten Vorsätze gibt es bereits. Wir müssen sie nur noch in die Tat umsetzen. Ich halte jedoch ehrlich gesagt nicht viel von guten Vorsätzen zum neuen Jahr. Vielmehr sollten wir uns regelmäßig hinterfragen beziehungsweise Gewohnheiten in Frage stellen. Dazu braucht man nicht bis zum Jahreswechsel warten. Noch besser finde ich es, das Wort »Vorsätze« durch das Wort »Ziele« zu ersetzen. Das halte ich im besten Wortsinne für zielführender und letztlich erfolgreicher.

Meine persönlichen Zielsetzungen behalte ich an dieser Stelle für mich. Nur eines kann ich verraten: Ich möchte etwas mehr Sport treiben, was aufgrund meines doch überschaubaren Freizeitbudgets meistens Laufen bedeutet. Mit relativ wenig Zeitaufwand kann ich damit meinen persönlichen Akku immer wieder gut aufladen.

Schwarzwälder Post