Peterlistag – Markstein auf dem Weg in den Frühling

Schulkinder gehen von Haus zu Haus, sagen den traditionellen Spruch und werden mit kleinen Gaben belohnt

Alljährlich am 22. Februar findet in Zell als altes Brauchtum der »Peterlisdag« statt. Am kommenden Donnerstag wird er in traditioneller Weise wieder durchgeführt. Deshalb sind die Kinder in Zell, Unterharmersbach und Unterentersbach zum altherge­brachten Heischegang eingeladen.


Die katholische Kirche feiert am 22. Februar jedes Jahr das Fest »Petri Stuhlfeier«. Dieses seit dem 4. Jahrhundert bekannte kirchliche Fest erinnert an die Berufung des Apostels Petrus zum Lehramt in der Kirche, also seine Übernahme des römischen Bischofsstuhls. Es ist in heutiger Zeit eher weniger bekannt als das weltlich geprägte Brauchtum, das in zahlreichen Gegenden an diesem Freudentag für die Kinder gepflegt wird. Sie ziehen dabei von Haus zu Haus und rufen lauthals Heischesprüche. Schon seit alters her ist dieser markante Tag auf dem Weg in den nahenden Frühling ein Freudenfest für die Kleinen. Das laute Rufen der Kinder soll der Überlieferung nach das Ungeziefer, das sich vor den Unbilden des Winters in die Häuser als sichere Schlupfwinkel zurück gezogen hat und jetzt langsam wieder munter wird, vertreiben helfen. Zur Belohnung werden zum Beispiel Obst, Würste, Speck, Backwaren, Süßigkeiten oder auch Münzgeld verteilt.

Dieses Brauchtum wird beispielsweise im Taubergrund, entlang des Schwarzwaldes, in der Bühler Gegend, in der Ortenau, im Rench- und Kinzigtal und in der Ettenheimer Gegend gepflegt. Nicht überall wird es in gleicher Form gestaltet und hat deshalb auch unterschiedliche Namen: Peterlistag (Zell und Umgebung), Peterstag, Peterlisspringen, Schiraustag (Hausach) oder Storchentag (Haslach) sind nur einige davon. Im Alpenraum gibt es zum Beispiel das »Lenzerwecken« (Frühlingserwecken).

Der 22. Februar gilt auch als wichtiges Datum für die landwirtschaftliche Wetter­beobachtung zum nahenden Frühling und findet sich
in zahlreichen Bauernregeln (Wetterregeln) wieder: »Wenn Frost ist auf St. Petri-Tag, so folgen noch 40 Fröste nach.« Oder: »Ist es Petri Stuhlfeier sehr kalt, wird der Winter alt.« Ebenso war früher dieser Tag der »Dingtag« (Gerichtstag bzw. Einstellungs- oder Entlassungstag) für Gesinde und Hirten.
Obwohl hauptsächlich ein Freudentag für die Kinder, so gilt er ebenso auch als eine schöne Erinnerung für die Erwachsenen an ihre eigene Kinderzeit, als sie von Haus zu Haus zogen und ihre Sprüchlein aufsagten. Am Abend werden dann mit Sicherheit die vollen Säcklein und Taschen geleert. Viele werden dabei sagen: »Schön war’s wieder!«

»Peterlisdagsspringer« erobern am Donnerstag die Straßen

In der Zeller Kernstadt treffen sich die Kinder Punkt 12 Uhr beim katholischen Pfarrhaus. Nach dem 12-Uhr-Läuten der Stadtpfarrkirche wird dort zuerst gemeinsam gebetet. Danach wird der Brauch des »Peterlisdags« kurz erklärt. Wenn anschließend die Kinder den Spruch »Hit, hit, hit isch Peterlisdag, alli Krotte un Schlonge verjag! Au ’s Ungeziefer us’em Huus, drum werfe ebb’s zum Lade rus! Dohäär, dohäär, dohäär!!!« lauthals gerufen haben, erhalten sie ihre Gaben. Wichtig ist, dass die Kinder beim Gang durch die Stadt zusammen bleiben – und zwar dort, wo gerade Gaben verteilt oder herausgeworfen werden – so lange, bis die Spender fertig sind. Erst dann geht die Kinderschar gemeinsam zum nächsten Haus weiter. Hierbei ziehen die Kinder vom katholischen Pfarrhaus im Pfarrhofgraben über die Hauptstraße bis zur Wallfahrtskirche und über Nebenstraßen wieder zurück. In der Zeit zwischen 12 Uhr und 15 Uhr ist mit Verkehrsbehinderungen oder kurzfristigen Sperrungen in der Hauptstraße zu rechnen. Die »Peterlisdagsspringerschar« wird von Brauchtumspflegern zusammen mit Polizeibeamten begleitet. Verkehrsteilnehmer werden um besondere Vorsicht und Rücksichtnahme gebeten. Den Zeller Geschäftsleuten gilt schon im Voraus ein herzliches Dankeschön für ihre Spendenbereitschaft. Und ein spezieller Wunsch geht noch gen Himmel, und zwar der, dass St. Petrus ein gnädiger Wettermacher ist, und dass die Kinder viele Gaben erheischen dürfen, damit sie nicht verärgert rufen müssen: »Alli Krotte un Schlonge solle eich in d’Häfe ni longe!«

Peterlistagsspringen in Unterharmersbach

In Unterharmersbach findet das Peterlistagsspringen am Donnerstag, 22. Februar, ab 10 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit statt. Die Schulkinder ziehen in Gruppen oder auch einzeln von Haus zu Haus, um nach dem Aufsagen eines Peterlistagsspruches eine kleine Gabe zu erhalten. Wie jedes Jahr bittet die Ortsverwaltung darum, die Kinder freundlich zu behandeln und ihnen nach persönlichen Möglichkeiten etwas zu geben. Autofahrer sollten bedenken, dass die Kinder vor lauter Freude die Verkehrsregeln oft vergessen. Langsam und vorsichtig zu fahren sollte deshalb eine Selbstverständlichkeit sein.

Unterentersbacher Schüler pflegen das Brauchtum

Auch in Unterentersbach findet am Donnerstag, 22. Februar, das alljährliche »Peterlistagsspringen« statt. Auch in diesem Jahr sollen alle Klassenstufen daran teilnehmen können. Die Schüler treffen sich traditionell um 11 Uhr bei der Nikolauskirche und ziehen dann geschlossen durch die Straßen. Die Organisation und Durchführung des Peterlistags obliegt, wie seit jeher, den Sackträgern. Die jüngeren Kinder besuchen alleine oder in kleinen Gruppen die Häuser. Eine herzliche Bitte geht an die Unterentersbacher Bürger: »Die Kinder und Jugendlichen freuen sich alljährlich auf diesen Tag. Bitte unterstützen und erhalten Sie dieses schöne sehr alte Brauchtum, indem Sie den Peterlistagsspringern die Tür öffnen, den traditionellen Sprüchen lauschen und kleine Gaben bereithalten. Herzlichen Dank dafür schon im Voraus!« Auch in Unterentersbach werden Verkehrsteilnehmer gebeten, Rücksicht auf die Peterlistagsspringerschar zu nehmen.
In Oberentersbach machen sich die Peterschüler bereits um 7.30 Uhr gemeinsam auf den Weg. Sie treffen sich bei der Imkerschule.

Autor: Bernhard Kähms