Startschuss für ein Verkehrskonzept in Zell a. H.

Bürgermeister fordert Mut, Gemeinderat einen Verkehrsplaner

Die Verkehrssituation in Zell ist schon seit geraumer Zeit Thema in der Stadt. Verbesserungen sollen her, darin sind sich vermutlich alle einig. Am Montag gab der Gemeinderat den Startschuss für ein Verkehrskonzept, das unter anderem die Verkehrsströme neu ordnen soll.

In der Einwohnerversammlung vom 9. November hatte Zells Bürgermeister Günter Pfundstein den Besuchern ein Bild davon vermittelt, wie Zell nach einer Verbesserung der Verkehrssituation einmal aussehen könnte. Seine damalige Rede war auch Teil der Verwaltungsvorlage, denn es ging am Montag im Gemeinderat ganz praktisch darum, ein Verkehrskonzept zu starten und Ziele zu definieren.

Grundlage für den Beschluss war eine Studie, die ein Arbeitsteam im Rahmen des Projekts »Zell 2030« mit Unterstützung eines Stadtplaners erarbeitet hatte. Darin sind kurz-, mittel- und langfristige Veränderungen von Verkehrsführungen sowie von Fuß- und Radwegen aufgeführt bis hin zur Ausweisung von Freiflächen für die Außenbewirtung oder der Optimierung von Parkraum in der Stadt. 

Das Projektteam hatte auch konkrete Möglichkeiten erarbeitet, nannte mögliche Trassen für Bypässe. So etwa die Hindenburgstraße oder die Grabenstraße, aber auch Pfarr­hofgraben oder Fabrikstraße, die dann Einbahnstraße würden. Mit einer Umfahrung durch die Grabenstraße könnte dann auch der Pkw-Verkehr im Stadtkern einspurig talabwärts verlaufen. 

Einstieg ins Thema

»Das alles soll ein grundsätzlicher Einstieg ins Thema sein«, erklärte Bürgermeister Günter Pfundstein Sinn und Zweck der Studie. 
So war auch die Beschlussvorlage formuliert: »Der Gemeinderat beschließt auf der Grundlage des Entwurfs einer integrierten Verkehrsstudie, die Verkehrsströme innerorts neu zu ordnen. Das erklärte Ziel ist eine Verkehrsentlastung der Innenstadt. Mit Bypass-Lösungen sowie neuen Anlieger- und Sammelstraßen sollen kurz-, mittel- und langfristig Maßnahmen zum erklärten Ziel führen«. Zum Verkehrskonzept gehören auch schlüssige Fuß- und Radewegekonzepten sowie die Ausweisung von Parkraum.

Im Gemeinderat entspann sich eine grundsätzliche Diskussion. Vielen Gemeinderäten waren manche in der Studie ausgearbeiteten Vorschläge nicht »zu Ende gedacht und professionell genug«, wie es Martin Teufel (Grüne Liste) formulierte. »Das gehört in die Hände von Profis«, betonte Teufel. 

Dies sah Ludwig Schütze (SPD) ebenfalls so und wollte das Verkehrskonzept von einem Städte- oder Verkehrsplaner machen lassen. Die Forderung nach einer professionellen Begleitung unterstützen weitere Gemeinderäte. 
Brigitte Stunder (Freie Wähler) wies darauf hin, dass es bei der heutigen Abstimmung noch nicht um Details gehe und Andrea Kuhn (FW) meinte, »auch ein kompetentes Büro wird uns die Entscheidung für Bypässe nicht abnehmen«.

»Wollen wir das?«

Bürgermeister Pfundstein, der schon mehrfach in der Vergangenheit die Grundsatzfrage »Wollen wir ein Verkehrskonzept?« gestellt hatte, war über den Verlauf der Diskussion eher enttäuscht: »Ich vermisse den Mut, in die Planung einzusteigen. Wir alle kennen Zell und die Gegebenheiten. Es wird niemand kommen, der uns etwas aus dem Hut zaubert. Wenn wir nicht mutig sind, wissen wir in der Verwaltung nicht mehr, was wir noch tun sollen. Dann lassen wir es eben. Ich dachte aber, wir sind mutig«, rief Pfundstein aus. 

Maßnahmen langfristig

Er stellte klar, dass jede einzelne Maßnahme vor Reali­sierung eh besprochen werden muss. Schließlich gehe es auch um Grundstücksangelegenheiten. »Es wird keiner mit den Fingern schnippen und wir haben das Verkehrskonzept umgesetzt«, verwies Pfundstein auf die Langfristigkeit  aller möglichen Maßnahmen.

Der Bürgermeister wünschte sich einen Grundsatzbeschluss, um überhaupt mal zu beginnen. Und der wurde dann auch gefasst. Allerdings mit dem Zusatz »einen professionellen Verkehrsplaner zu beauftragen, der auf Grundlage der vorliegenden Studie ein Gesamtkonzept erarbeitet«.

Autor: Dietmar Ruh, Offenburger Tageblatt