Neuer Ortschaftsrat nimmt die Arbeit auf

Sieben frische Gesichter am Ratstisch – Hans-Peter Wagner bleibt kommissarisch Unterharmersbacher Ortsvorsteher – Verabschiedung langjähriger Gremienmitglieder

Am Montagnachmittag begründete sich der neue Ortschaftsrat in Unterharmersbach – mit zahlreichen neuen Gesichtern: Sieben von zehn Mitgliedern sind neu im Gremium.

Mit diesem Wert schreibt der Ortschaftsrat Unterharmersbach Geschichte. »Sieben Neue hat es noch nie gegeben«, wusste Hans-Peter Wagner. Sowohl in den Ortschaftsräten als auch im Stadtrat habe es maximal vier neue Gremienmitglieder nach einer Wahl gegeben. Wagner sieht das als gutes Vorzeichen, dass viel gutes Neues entsteht.

Bevor der Noch-Ortschaftsrat in die Tagesordnung einstieg, ergriff Jürgen Isenmann (CDU) das Wort, um eine Stellungnahme zu dieser abzugeben. Die Tagesordnung entsprach nämlich nicht der einer üblichen konstituierenden Sitzung im Ortschaftsrat. Die Wahl des Ortsvorstehers stand nicht an. Der Grund: Die kleine Gruppe der verbliebenen Mitglieder wollte den neuen keinen Wahlvorschlag präsentieren, sondern einen Neustart mit gleichen Chancen im Gremium ermöglichen. Im Vorfeld hatten sich die drei verbliebenen Gemeinderäte entsprechend abgestimmt, erklärte Jürgen Isenmann die Entscheidung. Zum Kennenlernen tagt der Ortschaftsrat in Kürze noch einmal nicht-öffentlich. Dann können mögliche Kandidaten ihren Hut in den Ring werfen und ihre Vorstellungen von der Unterharmersbacher Zukunft erläutern. Alles mit dem Ziel, dass der neue Ortsvorsteher größtmöglichen Rückhalt im neu formierten Ortschaftsrat genießt und Transparenz gewahrt bleibt. Der langjährige Ortsvorsteher Hans-Peter Wagner hatte vor der Wahl seinen Rückzug aus dem Amt angekündigt und nicht mehr kandidiert. Ludwig Schütze (SPD/GL) bestätigte, dass der Respekt gegenüber den Neugewählten dieses Vorgehen gebiete. Hans-Peter Wagner bleibt, bis ein neuer Ortsvorsteher bestimmt ist, kommissarisch im Amt.

Der Terminplan stellt sich folgendermaßen dar: Die nächste Stadtratssitzung ist bereits am kommenden Montag, 22. Juli. Dann geht es für die Gremien erst einmal in die Sommerpause. Erst am 10. September wird in Unterharmersbach wieder getagt. Der Stadtrat könnte dann frühestens in seiner Sitzung am 16. September über den Vorschlag abstimmen.

Gremium wird jünger

Die Kommunalaufsicht hatte keinerlei Gründe zur Beanstandung der Wahl gefunden, ebenso wenig sah der alte Ortschaftsrat Hinderungsgründe, so dass der Verabschiedung der scheidenden und Verpflichtung der neuen Gremienmitglieder nichts im Wege stand.

Hans-Peter Wagner dankte den sechs scheidenden Ortschaftsräten für ihr ehrenamtliches Engagement. Der deutliche Zuwachs an Wählerstimmen bei der Wahl 2019 sei ein gutes Zeichen für den Ort und den Ortschaftsrat. Das Gremium werde jünger und die Demokratie lebe vom Wechsel, so Wagner weiter. Allein einen Wermutstropfen gebe es: Gewählt wurden nur zwei Frauen. Mit der L94-Sanierung sei eine kräftezehrende Aufgabe gemeistert. Nun gelte es, sie mit Leben zu füllen: »Jetzt haben wir die Schienen«, fand Wagner ein Bild, »auf die der Zug in die Zukunft fahren kann.« Es gelte daran weiterzuarbeiten, so dass ein Wohnort mit Ausstrahlung und Schönem entsteht, der Menschen anzieht. »Dafür braucht es auch die Bürgerinnen und Bürger«, lud er ein und hofft, dass der Funke mitzuwirken, alle erfasst. Auch auf das größte Defizit Unterharmersbachs ging Wagner ein: Es fehlt ein neues Wohngebiet. Das sei eine Aufgabe, die nicht aus den Augen verloren werden dürfe. Wagner wünschte allen neuen Räten »viel Kraft, Herzblut und Mut« im Amt. Eine Analyse und ein Wunsch, dem mit großem Beifall zugestimmt wurde.

Verabschiedungen

Werner Dangl war am Montag nicht da. Hans-Peter Wagner lobte ihn als »kleinen Mann mit großer Erfahrung«, der oft den Kompromiss gefunden hat.

Die Erfahrungen von Stefan Kornmeier seien Gold wert gewesen bei der Sanierung der Schwarzwaldhalle. Kornmeier geht der Kommunalpolitik nicht ganz verloren und hat bereits seinen Sitz im Zeller Stadtrat eingenommen.

Sybille Nock charakterisierte Wagner als Frau, die mit guten Ideen zu überzeugen wusste und sie auch vehement vertrat. Für die Männer sei sie ein Segen gewesen, plauderte der Ortsvorsteher aus dem Nähkästchen, denn sie vergaß keinen Geburtstag. Als stellvertretende Ortsvorsteherin sei auf sie immer Verlass gewesen.

Die Beharrlichkeit, mit der Christian Bruder seine Überzeugungen durchgesetzt hatte, imponierte Wagner. Ortskenntnisse und Wissen des Architekten hätten bei Genehmigungsverfahren geholfen. Sein Wunsch, einen »Mühlenweg« zu schaffen, ist zwar nicht realisiert, aber wer weiß – vielleicht wird Christian Bruders Lieblingsidee ja doch noch Wirklichkeit.

Thomas Dreher gehörte dem Gremium 13 Jahre lang in zwei Abschnitten an. Zehn Jahre lang war er erster Ortsvorsteher-Stellvertreter. Sein Herzensprojekt: die Bühnenrenovierung in der Schwarzwaldhalle. Auch für die Geselligkeit stünde er wie kein zweiter. Wo er dabei sei, werde es nie langweilig.

Xaver Riehle gehörte dem Ortschaftsrat genau wie dem Stadtrat 20 Jahre an. Seine Wortbeiträge waren stets gut überlegt und treffend, charakterisierte Wagner den Mann, der sich nicht zuletzt für die Belange der Feuerwehr stark gemacht hat und immer top vorbereitet in die Sitzungen kam.

Bürgermeister wünscht viel Erfolg

Bürgermeister Günter Pfundstein war ebenfalls zur konstituierenden Ortschaftsratsitzung nach Unterharmersbach gekommen. Nach dem Platzwechsel und der Verpflichtung des neuen Ortschaftsrats durch Sprechen der Formel und Handschlag durch den Ortsvorsteher , bedankte er sich zunächst bei den Entpflichteten für vier Jahre gute Zusammenarbeit und ihr ehrenamtliches Engagement. Sodann dankte er den Neugewählten für ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. »Es zeigt sich ein völlig neues Bild«, stellte er fest und wünschte viel Erfolg und gute Zusammenarbeit.

Anschließend war noch nach nebenan in die provisorisch eingerichtete »Bar« in der Tourist-Information eingeladen, wo sich die Gelegenheit fand, die neuen Kollegen auch offiziell kennenzulernen.

Autor: Susanne Vollrath, Schwarzwälder Post