- Für Zell hat es sich gelohnt -

Abschlussbericht zum Modellprojekt „Kleinstadtpioniere“ liegt vor – Arbeitskreise bleiben weiter kreativ

2100 Städte zwischen 5000 und 20 000 Einwohner gibt es in Deutschland, acht davon wurden 2016 fürs Modellprojekt „Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen“ ausgewählt. Auch Zell a. H. gehörte dazu. Das Projekt ist nun offiziell zu Ende. Die kreative und zukunftsgerichtete Beschäftigung mit dem eigenen Umfeld geht aber weiter.

Der sperrige Titel des Modellprojekts des Bundesbauministeriums  klang zugegebenermaßen eher nach wissentschaftlicher Erhebung als nach praktischer Umsetzung: „Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen“ war das Projekt umschrieben, in dem acht deutsche Kleinstädte selbst nach Stärken und Schwächen suchen und sich zukunftsfähig machen sollten.

Auch Zell a. H. war unter den ausgewählten Kommunen, die sich unter wissenschaftlicher Begleitung der Hochschule Neubrandenburg mit sich selbst beschäftigen durften und sollten. Das zweijährige Projekt ist nun abgeschlossen, eine gebundene, 80-seitige Hochglanzbroschüre fasst die Ergebnisse aller Gemeinden zusammen. Zells Bürgermeister Günter Pfundstein und Daniel Lehmann von der projektbegleitenden Agentur Agil­event präsentierten das Werk am Montag im Rathaus.

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Das Bundesministerium für Inneres, Bau und Heimat möchte die Erfahrungen der sogenannten „Kleinstadtpioniere“ nutzen und eine „Kleinstadtakademie“ aufbauen. Ziel ist hier, den Kleinstädten in Deutschland eine Plattform zu bieten, in denen sie sich vernetzen, austauschen und weiterbilden können.

Diese Zielsetzung umschreibt auch in etwa, was die acht Kommunen des Modellprojekts in den Jahren 2016 bis 2018 getan haben. Man tauschte sich aus, besuchte sich gegenseitig und lernte voneinander. „So unterschiedlich die Städte waren, so ähnlich waren die Herausforderungen“, beschreibt Günter Pfundstein seine Erfahrungen.
 
Zell stand im Vergleich zu manch anderen Städten übrigens gar nicht schlecht da, das sagten Teilnehmer der Zeller Delegationen oft nach einem Besuch bei den anderen Kommunen des Modellprojekts. Ob das nun die örtliche Wirtschaft betraf oder den Zustand der Verkehrswege. Insofern wurde aus der Zukunftsaufgabe, „Zell 2030“ zu entwickeln, zu einem Gutteil auch die Aufgabe, das bisher erreichte Niveau der Stadt zu sichern.

Natürlich bleiben der Stadt noch genügend Aufgaben. Aus diesem Grund werden auch nach Ende des Modellprojekts für Arbeiskreise der Themen „Familienfreundliches Zell“, „Jugend/Kultur“, „Vereine“, „Tourismus und Wirtschaft“ sowie „Verkehr“ ihre Arbeit fortsetzen.

Größeres Gewicht

Damit sich diese Arbeitskreise nicht nur für die Schublade die Köpfe zerbrechen, sollen ihre Ergebnisse größeres Gewicht erhalten. „Die Vorschläge der Arbeitskreise gehen direkt ins Stadtmarketing und von dort aus landen sie je nachdem auch im Gemeinderat“, kündigt Daniel Lehmann an. Die zu Beginn des Modellprojekts erfolgreich beschworene Bürgerbeteiligung wird also beibeihalten und gepflegt.  Bei den Arbeitskreisen kann übrigens jeder mitmachen, der Interesse hat.

Wer nun sagt, Zell habe doch bereits ein überaus vielfältiges Vereinsleben oder beim Straßenverkehr könne man doch aufgrund der Gegebenheiten nicht viel anders machen, der denkt zu einseitig. So stöhnen viele Vereine über große Ausgaben beim Organisieren von Festen. Hier könnte ein „Vereinsforum“ helfen, das Vereinen ermöglicht, zu kooperieren. „Einen Kühlschrank beispielsweise muss nicht jeder Verein neu kaufen, man kann ihn zu Festen auch ausleihen“, gibt Günter Pfundstein ein Beispiel von vielen.

Auch beim Verkehr konnte der entsprechende Arbeitskreis bereits Ideen einbringen.  Manche wurden sogar schon umgesetzt, wie beispielsweise die Regelung in der Kirchstraße. Ideen des Arbeitskreises fließen in die neue Verkehrskonzeption ein, die ein Verkehrsplaner zu Papier bringt und die danach Mehrheiten im Gemeinderat finden muss. Die ersten Visionen wurden bereits in der letzten Bürgerversammlung vorgestellt.

„Es hat sich seit 2016, dem Start des Modellprojekts, was bewegt. Für Zell hat sich die Teilnahme auf jeden Fall gelohnt“, sagt Günter Pfundstein.
 
 
 

Autor: Dietmar Ruh, Offenburger Tageblatt