Das Zeller Rathaus ist seit Sonntag eingeweiht

Hochkarätige Gäste empfangen

Mit einem großen Festakt und zahlreichen geladenen Gästen wurde am Sonntag das neue Zeller Rathaus nach vier Jahren Bauzeit eingeweiht. Zuvor hatte die Zeller Bürgerwehr mit Kommandant Andreas Lehmann einen Aufmarsch zelebriert und einen Ehrensalut geschlossen.

Im Sitzungssaal des Rathauses begrüßte Bürgermeister Günter Pfundstein zahlreiche Ehrengäste, darunter Vertreter der Partnerstädte Baumes-Les-Dammes und Frauenstein (Erzgebirge): „Schön, dass ihr da seid.“ In seiner Ansprache erinnerte Günter Pfundstein daran, dass das Rathaus so nicht realisierbar gewesen wäre, hätte nicht Hubert Meier das Gebäude, in dem er bis 2015 eine Metzgerei betrieben hatte, veräußert.

Gleichzeitig dankte er den noch aktiven wie ausgeschiedenen Gemeinde- und Ortschaftsräten, dass diese 2015 den Beschluss für Sanierung und Neubau getroffen hätten. Er dankte Bund und Land, die von den 10,5 Millionen Gesamtkosten vier Millionen Euro über die Städtebauförderung finanziert haben.

Architekt Jürgen Strolz blickte auf den Spagat zwischen Denkmalschutz und den Anforderungen einer modernen Verwaltung zurück. Entstanden sei ein offener Zwischenbau (ehemalige Metzgerei Meier), der Alt- und Neubau barrierefrei erschließt und für die nächsten Jahrzehnte Möglichkeiten für räumliche Veränderungen zulässt, sollten diese einmal erforderlich werden.

Lob für die Handwerker

Ausdrücklich lobte er die Leistung aller Handwerker, die überwiegend aus dem Ortenaukreis oder unmittelbarer Nähe gekommen waren. „Ohne handwerkliches Können und Wollen wäre so ein Projekt nicht umsetzbar“, sagte er und dankte dabei auch Bürgermeister Günter Pfundstein und Stadtbaumeister Tobias Hoffmann für deren großes Vertrauen in die Planer, zumal sich immer wieder „Überraschungen“ ergeben hätten, die neue Entscheidungen erforderten. „Sie haben nichts in Frage gestellt. Das ist nicht selbstverständlich“, sagte Architekt Jürgen Strolz.

Marion Gentges (Landesjustizministerin aus Zell a. H.) hielt eine viel beachtete Rede: „Danke für die Einladung für unser Rathaus.“ Ein Rathaus sei viel mehr als Verwaltungssitz und Historie. Es drücke das Selbstverständnis der Bürgerschaft aus und sei ein Symbol des Zusammenhalts und der Demokratie.

Die größte Gefahr für die Demokratie sei, wenn die Mehrheit der Menschen unzufrieden ist. Deshalb müssten Probleme gelöst werden, von der „großen Politik“ ebenso wie von jedem Einzelnen. „Im Ratssaal tagen Ehrenamtliche, damit unsere Stadt unsere Stadt ist“, sagte sie. Mit diesem Bewusstsein sei ein starker Beitrag zum Erhalt der Demokratie geleistet.

Mit einem geschnitzten Schmückbogen aus Holz, einem typischen Produkt aus dem Erzgebirge, gratulierte Gerd Köhler stellvertretend für den Bürgermeister der Partnerstadt Frauenstein zum Rathaus: „Es wird offen sein für alle, in das die Menschen auch gerne gehen.“
Bürgermeister Erik Weide aus Friesenheim sprach als Sprecher der Spendergemeinden der Wappenscheiben, die den Ratssaal zieren: „Das Rathaus ist mehr als ein Haus und mehr als nur Arbeitsplätze.“ Doch auch die seien wichtig, weil man heute auch den Mitarbeitern etwas bieten müsse, damit sie Lust zum Arbeiten haben, sagte er mit einem Schmunzeln.

„Lebende Steine“

Für die ökumenische Weihe sorgten Diakon Matthias Hoppe und der evangelische Pfarrer Benedikt Mangold. Sie verglichen den Neubau mit dem biblischen Gleichnis von Häusern, die auf Fels und auf Sand gebaut sind. „Das neue Rathaus hat viele lebende Steine, Mitarbeiter, Stadtrat, den Bürgermeister, also alle, die die Kommune zusammenhalten und stärken. Verantwortliche Stadtentwicklung und wirtschaftliche Zukunft können uns Hoffnung geben“, betonte Matthias Hoppe. Die Menschen, die ins Rathaus kommen, sollten Mitmenschlichkeit erfahren über die Paragrafen hinaus: „Denn wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott.“

Für den guten musikalischen Ton sorgte eine Abordnung der Zeller Stadtkapelle. Das erfreute Bürgermeister Günter Pfundstein besonders, denn nur 150 Meter weiter feierte diese vor dem Kultur- und Vereinszentrum ihr Sommerfest.

Autor: Thomas Reizel, Offenburger Tageblatt