Zells Weihnachtslichter bleiben an

"Reduzieren ja, aber nicht nehmen lassen"

Gemeinderat Zell diskutierte über Energie-Einsparungen in der Stadt. Viele Maßnahmen laufen schon, auch die Straßenbeleuchtung soll nun nachts reduziert werden. Kommunaler Wärmeplan kommt.

Bereits im Juli hat der Gemeinderat der Stadt Zell einstimmig festgestellt, dass „der Beitrag der Stadt Zell am Harmersbach zur Bekämpfung des Klimawandels bis heute nicht ausreichend ist“ und sah Handlungsbedarf, einhergehend mit einer externen Beratung. Diese soll nun mit der Badenova kommen, worüber am Montag im Gemeinderat Einigkeit herrschte. Manuel Baur vom Energieversorger stellte die „Kommunale Wärmeplanung“ vor, die für Zell, aber auf Wunsch auch für die Nachbargemeinden erstellt werden soll.

Die Planung der Wärmeversorgung hat seine Grundlage auf dem Klimaschutzgesetz Baden Württemberg und sieht im Prinzip eine detaillierte Bestandanalyse aller Gebäude vor.

Dazu gehören unter anderem die Art und das Alter der Heizung, der jährliche Energiebedarf und das Alter der Gebäude. In einem weiteren Schritt wird die Möglichkeit von Wärmeverbünden geprüft, wobei auch Abwärme von Betrieben eine Rolle spielt.
Weiterhin werden konkret Sanierungs-Szenarien entwickelt und auch die Heizung, kommt auf den Prüfstand. „Es wird eine Wärmepumpe-Offensive geben“, kündigte Baur an. Die Wärmeplanung fördert das Land, im Falle Zells mit bis zu 30.000 Euro. Das Land hat als Ziel ausgegeben, dass bis 2040 alle Gebäude klimaneutral mit Wärme versorgt sein sollen.

Wesentlich kurzfristiger angelegt sind die Energiesparziele in Sachen Strom und Gas. mit denen sich der Gemeinderat ebenfalls beschäftigte. Der kommende Winter bereitet angesichts von Energieknappheit vielen Menschen Sorgen.

Die Bundesregierung hat deshalb die „Kurzfristenergie-Sicherungsverordnung“ erlassen. Die betrifft auch Kommunen, die beispielsweise Räume in öffentlichen Gebäuden nur auf 19 Grad beheizen dürfen. Öffentliche Gebäude oder Denkmäler dürfen von außen nicht mehr angestrahlt werden. Kurzum, die Kommunen sollen von September bis zum 28. Februar Energie sparen.

In Vorbereitung auf die Sitzung hat die Stadtverwaltung eine Übersicht erarbeitet, wo dies bereits geschehen ist oder noch geschehen soll. Das Maßnahmenpaket reicht vom Austausch von Thermostaten über die Umstellung auf LED bis zum konsequenten Schließen von Eingangs- und Flurtüren.

Zwei Maßnahmen zur Energieeinsparung wollte sich Bürgermeister Günter Pfundstein vom Gemeinderat absegnen lassen. Die Stadt plant, die Helligkeit der Straßenbeleuchtung nachts zu halbieren. Dadurch könnten rund 20 Prozent der Kosten eingespart werden.

Es wird geprüft

Der Vorschlag stieß im Prinzip auf Zustimmung, allerdings gab es Bedenken, dass besonders im Winter, wenn es später hell wird, Schulwege nicht gut ausgeleuchtet sein könnten. Idealerweise sollte die Halbierung der Leuchtkraft nur von 23 Uhr bis 6 Uhr gelten, so der Vorschlag aus dem Gremium. Ob das technisch geht, will die Stadt prüfen, denn die Straßenbeleuchtung wird über Dämmerungs-Sensoren gesteuert.

Ein weiteres Thema war die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt. Hier sorgte ein Vorschlag der Deutschen Umwelthilfe für eine Steilvorlage bei der Diskussion. Die Umwelthilfe hatte vorgeschlagen, dieses Jahr ganz auf die Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten. Dies will man in Zell keinesfalls. Ludwig Schütze (SPD): „Auf die Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten, wäre das schlimmste Zeichen, das wir in der Krise geben könnten. Weihnachten lassen wir uns von Putin nicht nehmen. Die Lichter sind Zeichen der Hoffnung“.

Dem schloss sich der Gemeinderat an. Allerdings hat Betriebshof auch die Erlaubnis, den einen oder anderen der insgesamt 180 großen und kleineren Weihnachtsbäume auf Notwendigkeit hin zu überprüfen. Auf Widerstand stieß der Vorschlag des Bürgermeisters, den großen Weihnachtsbaum vor dem Storchenturm dieses Jahr nicht aufzustellen. Hintergrund ist, dass auf dem Kanzleiplatz kein Nikolausmarkt stattfindet. Der Besuch des Nikolaus wird diesmal am Rundofen enden, wo auch die Winter-WM übertragen wird.

Auf den großen Baum am Storchenturm wollte allerdings niemand verzichten, „der bringt die meiste Stimmung“, so Thomas Hoog (FW). „Reduzieren ja, aber nicht nehmen lassen“, war der Tenor zur Weihnachtsbeleuchtung. Die Kerzen brennen übrigens in diesem Jahr nur von 17 Uhr bis 22 Uhr.

Den Vorschlag von Ludwig Schütze, für öffentliche Gebäude neben dem Hausmeister einen „Objektbeauftragten“ zu benennen, der ein Auge auf den Energieverbrauch hat, nahm die Verwaltung auf. Und auch die Vereine sollen in Sachen Energiesparen sensibilisiert werden, kündigte Zells Bürgermeister an. „Es ist aber nicht geplant, die Duschen in Sporthallen kalt zu stellen“, so Pfundstein.

Autor: Dietmar Ruh, Offenburger Tageblatt