Zeller Rat zeigt sich versöhnlich bei umstrittenem Projekt

Der Zeller Gemeinderat stimmt dem Projekt für eine neue Beschilderung für ein Mountainbike-Netz zu. Die Verwaltung reagiert auf die Kritik aus der März-Sitzung und liefert Argumente.

Der Gemeinderat Zell hat einer Beteiligung am Projekt "Naturbiken" der Ferienlandschaft "Mittlerer Schwarzwald" bis Ende 2027 zugestimmt. Der Kostenanteil der Stadt beträgt jeweils 6750 Euro jährlich. Dieser Punkt war beim mündlichen Vortrag von Gengenbachs Tourismuschef Lothar Kimmig in der vorausgegangenen Sitzung von Zeller Räten kritisch hinterfragt worden, konnten sie sich an keinen Beschluss im Gemeinderat erinnern.

In der Vorlage zur aktuellen Sitzung wurde dieser offene Punkt aufgeklärt: Demnach war das Projekt zweimal im nichtöffentlichen Verwaltungs- und Finanzausschuss der Stadt beraten, aber kein formeller Beschluss getroffen.
Das Geld wurde aber vorsorglich im Haushalt eingestellt, sodass es nun dem Gemeinderat vorbehalten blieb, darüber zu befinden. Das Projekt "Naturbiken" ist dabei ein Gemeinschaftsprojekt der "Ferienlandschaft Mittlerer Schwarzwald", heißt es in der vierseitigen Vorlage zur Sitzung.
Förderung fließt
Das Projekt "Naturbiken" sei vor vier Jahren in die Wege geleitet worden, um ein modernes, naturvergägliches und einheitlich beschildertes Streckennetz im Mittleren Schwarzwald zu schaffen, wie es dies bereits in anderen Destinationen gibt.
Die Umsetzung erfolge laut Vorlage auf der Gemarkung der fünf Träger Zell, Oberharmersbach, Nordrach, Biberach und Gengenbach und gemäß der streckenmäßigen Beteiligung. Fördermittel fließen aus dem "Leader"-Programm sowie aus dem Tourismus-Programm des Landes Baden-Württemberg.
Hintergrund sei, dass die Beschilderung auf dem Mountainbike-Netz in Zell bereits 15 Jahre alt und somit in die Jahre gekommen sei. Die Verwaltung gab sich in der Vorlage alle Mühe, nach der Kritik aus dem Rat die Sinnhaftigkeit zu begründen.
Eine moderne und eindeutige Beschilderung sei für eine bessere Orientierung, eine Entlastung der Wanderinfrastruktur, zur Vermeidung von Konflikten und für mehr Sicherheit für Nutzergruppen sinnvoll. Trotz einer zunehmenden Navigation mit Smartphones bleibe eine klassische Beschilderung eine Ergänzung des digitalen Angebots, heißt es.
Besucherlenkung
Viele Freizeitgäste nutzten ihr Handy nur ergänzend als Orientierung sowie nicht als primäre Navigationsquelle. Der teilweise schlechte Mobilfunkempfang in unzugänglichen Berg- und Waldregionen mache eine Beschilderung nach wie vor notwendig, die noch dazu durch ihren "offiziellen Charakter" Verlässlichkeit und Vertrauen schaffe. Die Gäste könnten so direkt erkennen, dass die sich auf legalen, genehmigten und sicheren Strecken mit ihren Rädern bewegen. Durch die neue Beschilderung sei ein spontanes Fahren ohne technische Hilfsmittel möglich, heißt es in der Vorlage weiter.
Ein kompletter Ausstieg der Stadt Zell aus dem Projekt könne bei aller berechtigten Kritik über die "wenig transparente Projektvorbereitung" nicht empfohlen werden, hatte die Verwaltung argumentiert. Vor allen Dingen sei die zu kurzfristige Anmeldung für die notwendige Mittelbereitstellung kritisch hinterfragt worden, schrieb die Verwaltung in der Vorlage. Deshalb wurden Teilzahlungen vereinbart, die nun 2026 und 2027 fällig würden.
Wäre Zell aus dem Projekt ausgestiegen, hätte das die Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden belastet, ein großes Loch in der gemeinsamen Gebietskulisse hinterlassen und rund vier Jahre an Vorarbeit zunichte gemacht. Die Gemeinderäte zeigten sich bei der erneuten Diskussion des Themas versöhnlich und wollten nur sicherstellen, dass die inhaltlichen Entscheidungen weiterhin vor Ort getroffen würden.
Außerdem war eine wichtige Sorge die Frage, wer sich um die Unterhaltung der Schilder zu kümmern habe. Nach Auskunft von Zells Bürgermeister Günter Pfundstein würde dies nach seiner Kenntnis durch den Schwarzwaldverein Zell sowie den Wander- und Freizeitverein Unterharmersbach erledigt, sagte er am Montag im Gemeinderat.

Autor: Markus Adler, Offenburger Tageblatt