Das Zeller Entwässerungsnetz liegt digital vor

Der Gemeinderat beschließt den fertigen Generalentwässserungsplan. Der Regenwasserkanal in Zell ist jetzt im Bestand digitalisiert und kann nun besser überplant werden.

Zehn Jahre hat es gedauert, aber es hat sich gelohnt: Das Kanalnetz von Zell am Harmersbach liegt jetzt komplett digitalisiert vor und ist nun eine wichtige Datengrundlage für die weitere Planung von Baumaßnahmen. Möglich wurde dies im Zug der Erstellung des Generalentwässerungsplans (GEP), der vom Rat am Montag beschlossen wurde.
 

Zells Bürgermeister Günter Pfundstein erinnerte daran, dass die Stadt unter dem Storchenturm ein Kanal-Trennsystem habe. Von den 112 Kilometern Länge des Kanalnetzes entfallen 61 Kilometer auf Schmutzwasser, 35,7 Kilometer auf Regenwasser und 15 Kilometer auf offene Kanäle. Er lobte die Arbeit von Marius Herrmann, der die Hauptlast auf Seiten der Verwaltung getragen habe und die fachliche Expertise des Büros Wald und Corbe.
 
Zeitaufwändig sei die Digitalisierung der Papierdaten gewesen, teilweise waren die Daten in den Akten anders als die tatsächlich verbaute Technik im Untergrund, und außerdem kamen einige aktuelle Projekte wie die Sanierung der L 94 dazwischen, die vorgingen, betonte Pfundstein am Montag im Gemeinderat.
 
Marius Herrmann sagte, der Generalentwässerungsplan berücksichtige die Leistungsfähigkeit des Leitungsnetzes unter normalen Bedingungen für die kommenden 15 Jahre und werde auf Basis der vorliegenden Daten mit Hilfe einer Software simuliert.
 
Diese Untersuchung habe 122.000 Euro gekostet und sei die Grundlage für die Erneuerung der Einleitungsgenehmigungen des Landratsamts für die 66 Übergangspunkte in die Vorfluter auf Gemarkung Zell.
 
Bei diesen Untersuchungen sei das Leitungsnetz in vier Kategorien unterteilt worden, was es auch erlaube, Schwachpunkte zu finden und technische Lösungen zu planen.
Bürgermeister Pfundstein ergänzte auf Nachfrage nach Starkregenereignissen, dass die Stadt für das Kanalnetz oberhalb des Straßennetzes zuständig sei, dass aber private Hausbesitzer selbst für einen Überflutungsschutz für ihre Keller zu sorgen hätten.
 
Die Untersuchungen haben ergeben, dass es bei einem zweijährlichen Niederschlagsereignis im Bestand einzelne Überstaustellen im Bereich von Wohn- und Mischgebieten gebe, die künftig abgebaut werden sollen, heißt es in der Vorlage.
 
Pfundstein ergänzte, dass die Auswirkungen eines 100-jährlichen Hochwassers nicht Gegenstand der Berechnungen seien, sondern dass ein lokales Starkregenereignis auf Basis einer fünfjährlichen Häufigkeit mit einer Dauer von 30 Minuten für das Entwässerungssystem abgeschätzt werde. Bezogen darauf sei das Netz "leistungsfähig", hieß es in der Sitzung am Montag.
 
Unterentersbachs Ortsvorsteher Christian Dumin fragte nach dem Zustand der Kanalleitungen, ob diese im Rahmen des Generalentwässerungsplans auch betrachtet würden. Dies geschehe im Zug der Befahrung der Kanäle im Rahmen der Eigenkontrollverordnung, antwortete Herrmann.
 
In der Diskussion im Gemeinderat ging es noch um die Frage, ob Wasser zurückgehalten werden kann, damit es zeitnah in die bereits stark gefüllten Vorfluter gelangt. Herrmann erläuterte, dass für alle Leitungen jetzt digital abrufbare Daten vorliegen.
 

Autor: Markus Adler, Offenburger Tageblatt