Ausbau soll besser laufen

Im Gemeinderat Zell stellten zwei Experten von der "Breitband Ortenau" und "Unsere Grüne Glasfaser" den Stand des Glasfaserprojekts im Städtle vor. Es soll schnell Fortschritte geben.

Josef Glöckl-Fronholzer und Detlef Benker von "Breitband Ortenau" und "Unsere Grüne Glasfaser" (UGG) standen am Montag im Zeller Gemeinderat Rede und Antwort zum aktuellen Stand der Arbeiten zum Ausbau sowie zum Fahrplan für die kommenden Monate. Dabei hatten die beiden wegen Verzögerungen beim bisherigen Ablauf einen schweren Stand, was die Glaubwürdigkeit von Aussagen sowohl bei Ratsmitgliedern als auch bei den zahlreichen Zuschauern angeht.

Laut Unternehmen werde in Zell am Harmersbach auf das hybride Ausbaumodell gesetzt, das den eigenwirtschaftlichen und staatlich geförderten Ausbau passgenau miteinander kombiniert.
 
Zells Bürgermeister Günter Pfundstein erläuterte den beiden Experten, warum sie mit ihren fachlichen Ausführungen eher skeptisch aufgenommen wurden. "Es sind in der Vergangenheit unrealistische Erwartungen geweckt worden, dass der Ausbau in neun bis zwölf Monaten fertig sein würde", sagte das Zeller Stadtoberhaupt.
 
Detlef Benker erläuterte, dass es aus sehr unterschiedlichen Gründen immer wieder zu Verzögerungen kommen kann. Dazu zählen nicht nur technische Themen, sondern Umweltauflagen oder bis vor Kurzem wenn der Grundstückseigentümer schlicht nicht wollte, dass die Leitung über seinen Grund und Boden verlegt wird. "Bis vor einem halben Jahr hatten wir da keinerlei Handhabe, als die Trasse neu zu planen", berichtete er. Und Günter Pfundstein ergänzte seinen Eindruck: "Viele Köche verderben den Brei."
 
Backbone-Netz
 
In ihren Vorträgen erläuterten die beiden Experten, dass die UGG in einer Arbeitsteilung die verdichteten Ortslagen mit insgesamt 4190 Gebäuden auf eigene Kosten erschließt, während die Breitband Ortenau weitere 275 Gebäude in den schwer zugänglichen Außenbereichen gefördert anbindet. Die Gemeinde wird dazu über Biberach und über Oberharmersbach an das überregionale Backbone-Netz angeschlossen. Das bisherige Problem daran ist, dass dieses "Rückgrat" bislang noch gar nicht in Zell eingetroffen ist und somit Glasfaser nur in den Bereichen verfügbar ist, die schon von der Telekom ausgebaut wurden.
 
Der Zeitplan
 
Die Trasse von Biberach werde derzeit von der beauftragten Firma Insyte errichtet. Gleichzeitig verlege das Unternehmen bei den laufenden eigenwirtschaftlichen Bauarbeiten in den Innenbereichen der Gemeinde vorausschauend bereits Leerrohre für den späteren geförderten Ausbau mit. Die nächsten Schritte im geförderten Bereich seien klar terminiert: Die Netzbetreiberausschreibung wurde bereits veröffentlicht, die Vergabe ist im zweiten Quartal geplant. Der geförderte Netzausbau soll im vierten Quartal 2026 beginnen, sodass alle Bürger im Optimalfall ab 2028 ihren Glasfaseranschluss nutzen können.
 
Allerdings sind diese Zeitpläne unter der Voraussetzung kalkuliert, dass keine weiteren Beschwerden oder Rechtsstreitigkeiten durch unterlegene Wettbewerber entstehen. Nach jetzigem Stand gehen die Experten davon aus, dass der "Backbone" bis etwa Mitte des Jahres in Zell am Harmersbach eintreffen wird und somit "das Licht", wie es die Experten nannten, ins Städtle kommt.
 
Es stellte sich nach mehreren Nachfragen heraus, dass es an einer Brücke ein technisches Problem gibt, dass noch gelöst werden muss. Es gehe dabei darum, wie die komplette Infrastruktur so verlegt werden kann, dass sie leistungsfähig funktioniere, hieß es.
 
Bürgermeister Pfundstein ergänzte, dass es in der Baubegleitung sehr viel Koordinierungsbedarf bei der Stadt gebe. Die UGG hatte auch aktuelle Zahlen zum Baufortschritt mitgebracht: Von den insgesamt 4190 sogenannten Homes-Passed-Anschlüssen seien bereits 2376 baulich umgesetzt. Der Begriff bezeichnet die Zahl der Gebäude, an denen das Glasfasernetz bereits vorbeigeführt wurde, sodass ein Anschluss technisch kurzfristig möglich wäre. Was bei den Gemeinderäten und Zuhörern für etwas Unverständnis sorgt, war die Tatsache, dass das Glasfaserkabel zwar im Haus liegt, aber mangels Backbone der Standard technisch noch nicht verfügbar ist.
 
Derzeit seien 146 Gebäude schon komplett ausgebaut, hieß es. Sobald die Backbone-Strecke von Biberach nach Zell fertig gestellt sei, sollen diese Adressen mit Telekommunikationsdiensten versorgt werden. Die Arbeiten dafür liefen unter Hochdruck und sollten bis zum dritten Quartal 2026 erfolgt sein. Von der insgesamt 4495 Meter langen Backbone-Strecke sind rund 1400 Meter fertiggestellt.
 
Im Gemeinderat hagelte es kritische Anmerkungen nach schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit: Unterentersbachs Ortsvorsteher Christian Dumin sprach von einem "schlechten Projekt", während Sybille Nock nachfragte, ob das Bauunternehmen die deutschen Arbeitsstandards einhalten würde. Für Nachfragen sorgte auch, dass das beauftragte Tiefbauunternehmen nur bestimmte Arbeiten nach deutschem Recht ausführen darf.
 
Dagegen warben sowohl die Breitband Ortenau als auch die UGG für Vertrauen: „Der Ausbau in Zell am Harmersbach steht auf einem soliden Fundament", sagte Josef Glöckl-Frohnholzer, Geschäftsführer der Breitband Ortenau in Zell. „Die laufenden Mitverlegungsmaßnahmen zeigen, wie wichtig vorausschauendes Planen ist – sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass wir den geförderten Ausbau zügig und effizient umsetzen können." In einem halben Jahr sollen die Fortschritte vorgestellt werden.

Autor: Markus Adler, Offenburger Tageblatt