Zell ist besser als sein Ruf

Die Zeller Stadtverwaltung, der Handels- und Gewerbeverein sowie die Industrie- und Handelskammer starten eine Beratungsanalyse, wie die Kaufkraft besser im Städtle gehalten werden könnte.

: Starten eine Aktion zur Stärkung des Zeller Einzelhandelsstandorts (von links): Alwin Wagner (IHK), Bürgermeister Günter Pfundstein, Rebecca Steinbach (Stadtmarketing), Paul Lehmann (HGV), Jutta Schmid (HGV), Thomas Kaiser (IHK) und Petra Brosemer (HGV). ⇒Foto: Markus Adler

„Alle Evaluationen von Marktdaten zeigen eigentlich, dass insbesondere kleinere oder mittlere Städte im Vorteil sind“, hatte der Innenstadtberater der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein, Thomas Kaiser, positive Nachrichten zur Pressekonferenz in den Sitzungssaal des Zeller Rathauses mitgebracht.

Gemeinsam wollen Stadtverwaltung, Gewerbeverein und die IHK in einem sechsmonatigen Beratungsprozess Maßnahmen entwickeln, um den Einkaufs- und Gewerbe­standort zu stärken.
Bürgermeister Günter Pfundstein erinnerte daran, dass die Stadtverwaltung an diesem Thema schon lange dran sei und dass einige Veränderungen in der Zeller Geschäftswelt unabhängig von diesem langfristigen Ansatz zu betrachten seien.
„Wir haben 2015 bereits mit der Standortampel einen wichtigen ersten Schritt unternommen, jetzt ist es an der Zeit, diese Ergebnisse einer ‚Review’ zu unterziehen“, erläuterte das Stadtoberhaupt. Es sei ein ständiges Bemühen, das Städtle als Standort des stationären Handels weiterzuentwickeln.
Alwin Wagner, stellvertretender Geschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, sprach die massiven Veränderungen im Konsumentenverhalten an, denen sich alle Standorte zwischen Karlsruhe und Freiburg ausgesetzt sehen. Rückgänge bei der Kundenfrequenz, Zurückhaltung beim Konsum, der wachsende Online-Handel, fehlender Nachwuchs, die Digitalisierung und der Mangel an Fachkräften seien nur einige der Herausforderungen, denen sich die Innenstädte ausgesetzt sähen. 25 Kommunen nähmen an dieser vom Wirtschaftsministerium geförderten Beratungsrunde teil, darunter neben Zell in der Ortenau auch Renchen und Kappelrodeck.
HGV optimistisch
„Wir geben am Ende dieses sechsmonatigen Prozesses Empfehlungen ab, die als eine Art Zehn-Jahres-Plan zu verstehen sind. Sie haben hier in Zell etwa 80 Betriebe im Bereich der Innenstadt, das ist ein noch gutes gewerbliches Potenzial“, sagte Innenstadtberater Thomas Kaiser und verwies auf Alleinstellungsmerkmale. „Sie haben zum Beispiel noch einen Herrenausstatter“, betonte der Experte.
Beteiligungsprozess
Am Ende eines umfangreichen Beteiligungsprozesses werden 30 bis 40 Maßnahmenvorschläge erwartet, über deren Umsetzung und Priorisierung dann ein Workshop entscheiden soll.
Die Recherche-Instrumente sind vielfältig und reichen von Passantenzählung, Betriebsinterviews, Digitalisierungschecks, Online-Befragungen, einer Analyse von Stärken und Schwächen, über einen Stadtspaziergang bis hin zu einer Wochenmarkt-Analyse.
Paul Lehmann vom Handels- und Gewerbeverein (HGV) Zell, freut sich auf die Ergebnisse der Beratung, denn nach seiner Einschätzung ist die Situation objektiv besser als die gefühlte Stimmung.
„Wir schaffen es mit unseren Gutschein-Aktionen jährlich etwa 300.000 Euro an Kaufkraft in Zell zu binden“, erläuterte der HGV-Vorsitzende. Er höre regelmäßig von Übernachtungsgästen, die zum Beispiel aus Städten der doppelten Größe von Zell kämen, dass diese neidisch auf die Vielfalt der Einkaufs-Angebote im Städtle seien. Alle Beteiligten sehen großes Potenzial, das Image der Einkaufsstadt Zell durch die Innenstadtberatung zu verbessern.

Autor: Markus Adler, Offenburger Tageblatt